Bauherr: privat
Ort: Kassel-Wilhelmshöhe, Hessen
Freianlagen: plandrei Landschaftsarchitektur
Fertigstellung: 03/2024
Fotos: Oliver Rieger
Das Wohn- und Atelierhaus in Kassel-Bad Wilhelmshöhe entwickelt seine Architektur unmittelbar aus der ansteigenden Topografie des Grundstücks. Der ein- bis zweigeschossige Baukörper legt sich U-förmig um ein erhöhtes Gartenplateau. Nach außen erscheint er als geschlossener, monolithischer Körper, zum geschützten Innenhof öffnet er sich mit großformatigen Verglasungen.
Charakteristisch ist die streng horizontal geschichtete Fassade. Handelsübliche Beton-Fertigteilstürze werden zu einem rauen, plastischen Mauerwerk gefügt, dessen tiefe und teilweise offene Fugen zugleich Nischen und Lebensräume für Insekten schaffen. Eingeschnittene Holzleibungen und eine Lamellenfassade aus Holz kontrastieren die robuste Betonoberfläche.
Im Inneren verbinden Sichtbeton und präzise Holzeinbauten Wohnen und Arbeiten zu differenzierten Raumfolgen. Mittelpunkt ist eine zweigeschossige Bibliothek zwischen Wohnung und Atelier. Der Wohn- und Essbereich folgt mit unterschiedlichen Niveaus dem Gelände und öffnet sich großzügig zum Garten; zwei skulpturale Spindeltreppen aus Brettschichtholz erschließen die Ebenen.
Beton und Holz bestimmen auch das Nachhaltigkeitskonzept. Regionale Materialien, ein hoher Vorfertigungsgrad sowie sortenrein rückbaubare und wiederverwendbare Bauteile unterstützen eine ressourcenschonende, kreislauffähige Bauweise. Große Speichermassen und eine bewusst reduzierte Gebäudetechnik verfolgen einen robusten Low-Tech-Ansatz. So verbindet das Haus hochwertige Wohnarchitektur, Ateliernutzung, Biodiversität und zirkuläres Bauen zu einem eigenständigen architektonischen Konzept.