Weender Tor Göttingen

Wettbewerb 2024, 1.Preis
in Bearbeitung
Bauherr: Stadt Göttingen
Freiraum: nsp Landschaftsarchitekten
Rendering: renderatelier

 

Die Weiterentwicklung des Grotefend-Areals formt einen sensiblen neuen Stadtbaustein am Weender Tor, der den Geist des Bestehenden aufnimmt, weiterführt und einen spannungsvollen Dialog zwischen Alt- und Neu entstehen lässt. Gleichzeitig entsteht ein modernes, prägendes und grünes neues Quartier am Göttinger Stadtwall.

Das Entwicklungskonzept sieht drei eigenständige Gebäudekörper vor, die dem Beispiel der vorhandenen Solitärbaukörper der Wallvorfeldbebauung folgen. Zwischen den Baukörpern entstehen klar definierte Fugen, die zum einen die räumliche Präsenz des zurückliegenden Stadtwalls von der Berliner Straße herstellen, zum anderen den erforderlichen Schutz für die dahinterliegende Wohnnutzung gewährleisten.

Der vorhandene Baukörper der alten Grotefend-Fabrik wird in seiner Typologie und Bedeutung für den Standort aufgenommen und mit einem aufgesetzten sechsgeschossigen Eckgebäude in Holzhybrid-Bauweise weitergeführt.
Die Konturen der Bestandsbebauung bleiben, unter anderem durch die freigestellten Trauf- und Eckabschlüsse, erhalten. Ein auskragendes Flugdach fasst die unterschiedlichen Gebäudekonturen zu einer Einheit zusammen.

Typologisch werden die prägenden Charakteristika der 50er-Jahre Architektur der Grotefend Bebauung respektiert und in einer modernen Architektursprache und -bauweise weitergeführt (Holzhybrid vs. Stahlbetonskelett, Flugdach und Fensterproportionen als verbindende Elemente).

Durch die Setzung des Eckbaukörpers entsteht ein prägender Gebäudeabschluss nach Norden sowie ein starker baulicher Impuls in Richtung Berliner Straße. Folgerichtig entsteht ein städtebaulicher Hochpunkt, der die vorhandenen Hochpunkte im unmittelbaren Kreuzungsbereich einbindet und diese in einen spannungsvollen Dialog treten lässt.

Hervorspringende horizontale Geschossgesimse, in denen z.B. die Sonnenschutzanlage integriert werden, verbinden die drei Solitärbaukörper und lassen Sie - trotz ihrer unterschiedlichen Anmutung – als bauliches Ensemble wirken.

Die beiden L-förmigen Wohngebäude ergänzen die städtebauliche Kette der 3 Solitäre ruhig und souverän und erinnern in ihrer straßenseitigen Anmutung und Gliederung ein wenig an die vorhandene monolithische Villenbebauung an anderen Stellen der Wallvorfeldbebauung. In ihren straßenabgewandten Fassaden (nach Süden und Westen) lösen sich die horizontalen Geschossbänder zu leichten, offenen und grünen Wohnbalkonen auf.
Wallseitig entsteht so, auch bedingt durch die Reduzierung um 2 Vollgeschosse, eine maßvolle und leichte Wohnatmosphäre mitten im Grünen.

Durch das Anheben der Topografie zwischen den neuen Baukörpern und der Wallstützmauer kann die Höhe der Stützmauer um mehr als die Hälfte reduziert werden, so dass ein harmonischer Übergang zwischen Wohngärten und Stadtwall erreicht wird.
Überdies können mit der Anhebung des Wallvorbereichs weitere zuträgliche Faktoren erreicht werden:
- klare Differenzierung von öffentlichem und privaten (resp. halböffentlichen) Raum
- Adressierung der Gebäude: Ausbildung von kleinen Taschenplätzen
mit Baum und Sitzbank als Entrée für die Wohnhäuser
- klare Differenzierung Wohnen / Gewerbliche Nutzung durch Höhenversatz
- attraktive private Wohngärten
- ausreichend Substrataufbau für intensive Bepflanzung
- Höhenvermittlung Tiefgarageneinfahrt
- Wirtschaftlichkeit: höheres Gründungsniveau TG, weniger Erdaushub

Freiraum

Die Außenanlagengestaltung verfolgt das Leitmotiv „Haus im Garten“ und bietet qualitativ hochwertige und differenzierte Außenräume für die Bedürfnisse der künftigen Nutzergruppen. Durch die eigenständige Gestaltsprache und die vegetativ geprägten Freiräume entsteht ein wichtiger Trittstein in den Grünen Infrastruktur der Göttinger Innenstadt. Die historischen Wallanlagen und der botanische Garten werden aufgegriffen und am Heinz-Erhardt-Platz sowie in den Wohngärten thematisch weitergeführt. So entsteht ein positiver Beitrag zum klimaresilienten Städteumbau und das Weender Tor wird in seiner Bedeutung als mittelalterlicher Stadteingang hervorgehoben.

Die „Grüne Pforte“ fügt sich wie selbstverständlich in die Mitte zwischen Auditorium und Neunbau-Ensemble ein und erzeugt einen spannenden Kontrast zu den umliegenden Anlagen. Das Blätterdach der raumprägenden Gehölze bestärkt den Ort in seiner Besonderheit und lässt an heißen Tagen eine angenehme klimatische Situation entstehen.

Charakteristisch für die Wohnhöfe ist der fließende Teppich aus wertigem Betonstein der die Wohnungseingänge und Wegeverbindungen zu einer gestalterischen Einheit zusammenzieht und sich regelmäßig zu kleinen Plätzen aufweitet. Den Erdgeschosswohnungen werden Terrassengärten zugeordnet die von Heckenstrukturen gegliedert werden um Rückzug und Privatsphäre zu gewährleisten. Durch die Gliederung in thematische Inseln wie Spiel und gemeinschaftliches Gärtnern entsteht in den Höfen eine facettenreiche Spiel- und Wohnlandschaft.

Im Rahmen der Außenraumgestaltung wird ein möglichst hoher Grünflächenanteil angestrebt, um den lokalen Wasserhaushalt an natürlichen Kreisläufen orientieren zu können.

Die vegetativen Elemente und die spezifische Gestaltung der Flächen lassen private und gemeinschaftliche Orte entstehen die Sicherheit und Übersichtlichkeit gewährleisten.
Durch das Zusammenspiel von Architektur und Freianlagen entsteht ein eigenständiges Ensemble, ein Miteinander vielfältiger Angebote und Nutzungen, welche einen Ort prägender Charakteristik im Quartier entstehen lassen.